Zählt im Leben nur steigendes Einkommen oder auch ziviles Engagement?
WELT am SONNTAG bat einen Millionär und einen Attac-Aktivisten zum Streitgespräch
WELT am SONNTAG: Herr Schäfer, Sie sind gerade aus Mallorca eingeflogen und im Rolls-Royce vorgefahren, tragen einen guten Anzug und eine teure Uhr. Sind Sie deshalb glücklicher?
Bodo Schäfer: Der größte Teil des täglichen Wohlempfindens hat nichts mit Geld zu tun. Einkommen ist aber ein Maßstab, wie nützlich ich bin. Das hat auch etwas mit Selbstbewusstsein zu tun.
WamS: Das sehen Sie vermutlich anders, Herr Giegold.
Sven Giegold: Mir ist wichtiger, ob ich mit meinen Aktivitäten zu mehr Gerechtigkeit in der Welt beitragen kann als die Frage, wie viel ich damit verdiene. Ich wohne mit einer Gruppe von Menschen in einem Gründerzentrum für ökologische Betriebe. Ich brauche keinen Rolls-Royce, sondern will von A nach B kommen, ohne der Umwelt zu schaden.
WamS: Besitzen Sie ein Auto?
Giegold: Ich habe nicht mal einen Führerschein.
WamS: Haben Sie Mitleid, Herr Schäfer? Sie verdienen viel Geld mit Büchern, in denen Sie den Menschen erklären, wie man reich wird.
Schäfer: Ich beschreibe in meinen Büchern fünf gleichrangige Lebensbereiche: Gesundheit, Beziehung, Geld, Emotion und Job. Da einen Bereich herauszunehmen und zu sagen: "Geld ist schlecht" macht nicht edler, sondern nur ärmer. Wir leben in einer Gesellschaft, für die der sich vergeistigende Weise moralisch höher steht als der Unternehmer, der tausenden Menschen Arbeit gibt, weil er eine Firma aufgebaut hat.
WamS: Wenn Sie die Wahl haben, die Welt zu verbessern oder gut zu verdienen, wählen Sie den Verdienst?
Schäfer: Ich gebe den einzelnen Menschen Hilfestellungen, um sich zu verändern. Anders als Herr Giegold halte ich unsere Gesellschaftsform nicht für so ungerecht, dass sie grundsätzlich ausgetauscht werden muss. Aber auf Dauer werden wir nur gut verdienen, wenn wir anderen Nutzen geben.