Bodo Schäfer: Finanzcoach und Bestsellerautor

Wirtschaftswoche: Der Dagobert Duck vom Rhein


Als Kind ging Bodo Schäfer seiner Mutter immer auf die Nerven, weil er soviel quasselte. "Heute kann ich diese Leidenschaft ausleben", spottet der selbsternannte Finanzberater Bodo Schäfer über sich selbst. Nicht nur das: Heute verdient der 38jährige mit dem Halten von Vorträgen gutes Geld. Seit sechs Jahren missioniert Schäfer zu der Frage, wie man sein Kapital zusammenhält und vermehrt.
Damit nicht nur die Seminarbesucher von seinen Erkenntnissen profitieren - ein Tagesseminar kostet 590 Mark, eine Drei-Tage-Veranstaltung 2380 Mark-, sondern auch die breite Masse, hat er einen Ratgeber verfaßt. Der Titel: "Der Weg zur finanziellen Freiheit - In sieben Jahren die erste Million"*. Kein Branchenkenner hat dem Buch, das Ende Juni erschien, größeren Erfolg zugetraut, zu platt erschienen den Experten Schäfers Ausführungen.

Doch mit seiner eigentümlichen Mixtur aus Psycho- und Geldanlageratschlägen entwickelte sich das Werk zum Renner. Fast 60 000 Exemplare gingen in fünf Monaten über den Ladentisch, weitere 30000 Stück hat der Berteismann-Verlag geordert. Seither steht das Opus auf sämtlichen Wirtschafts-Bestsellerlisten auf dem ersten Platz.

Nur einer hatte mit dem Erfolg des Geldbuchs gerechnet - Schäfer selbst. Er verfaßte es erst nach gründlicher Analyse des amerikanischen und des deutschen Buchmarkts.
In Deutschland gibt es, so Schäfer, 1500 Ratgeber zum Thema Finanzen und die meisten seien über eine erste Auflage nicht hinausgekommen. Sie alle haben laut Schäfer ein Manko: Sie sind zu kompliziert, selbst Akademiker verstehen sie nicht.

Daß Kritiker Schäfers gesammelte Lebensweisheiten als banal herunterputzen, hindert ihren Erfolg nicht. Kostprobe: "Reiche Leute machen gar nicht soviel anders als arme. Sie sind nur viel konsequenter in ihren Entscheidungen und ziehen ihre Grundsätze wirklich durch." Oder: "Alle reichen Männer haben große Bibliotheken." An Büchern und Seminarbesuchen dürfe man also nicht sparen, so sein nicht ganz uneigennütziger Rat.

Immerhin hat Schäfer seine Tipps im Selbstexperiment auf Tauglichkeit überprüft. Mit 26 Jahren stand er vor einem Scherbenhaufen: Der studierte Jurist war mit dem Import mexikanischer Waren nach Köln gänzlich erfolglos und überdies frisch geschieden, verschuldet und magenkrank.