Bestsellerautor Bodo Schäfer hat zu beidem was zu sagen
Mit Selbststilisierungen ist es so eine Sache. Man kann davon leben. Man kann darunter leiden. Das ist das Dilemma des Bodo Schäfer. Bodo Schäfer ist der Mann, der einen im Buchladen gleich stapelweise anschaut. Seine Bestseller haben verheißungsvolle Titel wie "Der Weg zur finanziellen Freiheit" oder "Money". Deutsche Gesamtauflage: über zwei Millionen.
Zusätzlich erreicht Schäfer Zigtausende über die von ihm konzipierten Finanz-Seminare. Die Boulevardpresse feiert ihn als "Deutschlands Geldexperten Nummer eins". Sein Image: unbeirrbar, konsequent, erfolgreich - und irgendwie eiskalt.
Seine Bücher wenden sich an Menschen, die Schulden und Sparzinsen satt haben, die vom sorgenfreien Leben träumen. Schäfer tritt ihnen zum einen als Finanzberater gegenüber. Er weist leicht verständliche, mäßig riskante Wege zu stattlichen Renditen. Leitlinie: Zwölf Prozent jährlich sind immer drin. Mögen seine Marktprognosen gewagt sein, grundsätzlich bewegen sich die Tipps im Mainstream.
Zum anderen spricht Schäfer sein Publikum als Persönlichkeitstrainer an. Er konfrontiert den Einzelnen mit seinen Schwächen, zeigt Ansätze, diese zu überwinden. Dabei klagt er nicht an, sondern aktiviert seine Leser, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Das alles in klaren Worten und ohne Hysterie. Sauberes Handwerk.
Doch genau hier beginnt Schäfers Dilemma. Denn sein stärkstes Argument ist der eigene Erfolg. Sein Fotolächeln ist das des Multimillionärs. Seine Anzüge und Krawattennadeln, die schwere Uhr, der goldene Jaguar, die Gerüchte über traumhafte Gagen - das alles signalisiert: Mach's wie der Schäfer, komm rüber auf die Sonnenseite!
Bloß: Schäfer selbst sitzt nun im Kerker des Schäfer Klischees. MUSS immer top und voll Tatkraft sein, darf sich nie hängen lassen, darf, wenn mal was schief geht, nicht auf die anderen schimpfen. Denn er predigt ja Sätze wie: "Wem Sie die Schuld geben, dem geben Sie die Macht." Und: "Jeder bekommt genau das, was er verdient."
Was andere in Bewegung bringen soll, engt Schäfer selbst inzwischen ein.