Früher versprach Bodo Schäfer Reichtum für alle. Jeder sollte zum Millionär werden können, durch pure Willenskraft. Er selbst ist das beste Beispiel für seine Theorie: Seine Bücher haben ihm eine Menge Geld eingebracht. Seither lernt er, damit zu leben.
Bodo Schäfer ist reich, er hat sich diesen Zustand erarbeitet und schreibt darüber simpel gehaltene Ratgeber-Bücher. Bestseller, die ihn noch reicher machen. Er predigt darin freudloses Leben: sparen, budgetieren, ackern, anstrengen, sich zwingen. Der Mann ist auf Geld fixiert. Die Texte über ihn und seine Bücher in Tageszeitungen und Zeitschriften sind meist ironisch gehalten, irgendwie war er von Anfang an verdächtig, bereits bei seinem ersten Hit "Der Weg zur finanziellen Freiheit - in sieben Jahren die erste Million".
Seine Sätze sind kurz und schlicht gebaut, wenig Kommas in einem Buch. Er schreibt überredundant. Auf den Covem ist er immer geschminkt, sieht aus wie ein Dieter Bohlen der Lebenshilfe-Literatur. Ich finde ihn unsympathisch.
Alles, was er sagt, ist: Du bist deines Glückes Schmied, streng dich an. Banal, ganz einfach nachzuvollziehen, Allgemeinplätze.
Er schreibt: "Planung ist das A und O." Oder: "Es ist leicht, reich zu werden.Wenn das stimmt", und es stimmt, sagt er, "dann muss man sich doch fragen, warum nicht mehr Menschen reich sind." Oder: "Die beste Möglichkeit, sich auf Ihre Zukunft vorzubereiten, ist, sie zu gestalten." Und: "Sie werden sehen, dass Geld viel schöner ist, als die meisten denken." Und: "Das Wunder kommt nicht zu uns, wir müssen das Wunder bewirken." Solche Zitate schreibt er hundertfach pro Buch. Die Kemaussage: Habe keinen Spaß. Man muss sich anstrengen, Wollen allein reicht nicht, es geht ums Machen.
Ich habe mich mit dem verglichen, was er fordert, und kam mir vor, als würde ich das Klassenziel nicht erreichen. Ich dachte, das ist ein ganz knickriger Typ, freudlos, glatt, geldhörig. Eine Fehleinschätzung: Mag sein, dass er früher mit fünf Mark am Tag auskam und richtig viel arbeitete. Heute ist Bodo Schäfer einer, der sich nicht mehr richtig reinkniet, sondern sein Leben zu genießen scheint.
Im Hotel Interconti in Stuttgart, wo Bodo Schäfer am nächsten Tag in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle einen Auftritt hat.